Zur Geschichte der Dörnthaler Ölmühle

Das 16. Jahrhundert war trotz des dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) für Dörnthal eine Zeit, in dem sich zahlreiche Handwerker entlang der Dorfbach und der Strasse ansiedelten. So entstanden nach und nach insgesamt 11 Mühlen, die die Kraft des Dorfbaches mit großen Wasserrädern zum Mahlen von Getreide und zum Schlagen von Leinsamen zu Öl nutzten. Hierbei setzten die Dörnthaler Mühlenbauer die großen Erfahrungen des nur wenige Kilometer entfernten Freiberger Silberbergbaus, der geschickt zum Antrieb der Maschinen die Wasserkraft nutzte, ein.

Am 2.12.1650 wird die Dörnthaler Ölmühle durch den Besitzer Christoph Morgenstern, der damals einen Mühlenzins entrichten musste, erstmals urkundlich erwähnt. Man geht aber heute davon aus, dass die Ölmähle noch älter ist, denn zwei Jahre nach Beendigung des 30-jährigen Krieges, kann man sich den Neubau einer Ölmühle kaum vorstellen. Vielmehr mussten Abgaben zur Behebung der Kriegsschäden eingetrieben werden. Ihre Anfänge und Wurzeln hat die Ölmühle in dem sich oberhalb der Mühle befindlichen Bauerngutes Böhme.


1806 wurde dann das massive Fachwerkhaus, so wie es heute noch erhalten ist, gebaut. Der Bauherr hatte die Ölmühle vom Bauerngut gekauft, die nun ein selbständiges Objekt war.


Bis 1855 wechselten zahlreiche Besitzer die Ölmühle.


1873 erwarb Ernst Moritz Schneider für 2.500 Taler die Mühle.


Am 30.1.1934 kaufte mein Großvater Gustav Braun für 6.500 Rentenmark die Ölmühle. Seit dieser Zeit ist sie im Familienbesitz der Familie Braun.


Großvater Gustav Braun

Altes Bild der Ölmühle

Altes Bild der Ölmühle

Großvater Gustav Braun


Die Ölmühle war damals noch mit einem Stampfwerk ausgestattet, und wurde durch ein Wasserrad angetrieben. Mein Großvater, der neben der Ölmühle noch eine Landwirtschaft betrieb, modernisierte die Mühle, baute einen Stampfwerk Stauteich und ersetzte das Wasserrad durch zwei Turbinen der Hersteller Ossberger und Franzis und erreichte somit eine höhere Leistung. Noch heute liefert die Turbine einen Teil der Antriebsenergie der zahlreichen Transmissionsräder.


Die steigende Produktion verlangte einen Anbau an die Ölmühle, welcher 1938 fertiggestellt wurde. Weitere geplante Modernisierungen stoppte der Krieg. Die Bauern konnten den arbeitsaufwendigen Flachsanbau auf Grund der schlechten Arbeitskräftesituation nicht mehr betreiben.


Nach dem Krieg, besonders in den fünfziger Jahren, setzte in der DDR das große Mühlensterben ein. In Dörnthal klapperte nun nur noch die "Braunmühle" von den ehemals 11 Mühlen. Wenige VEB Großmühlen versorgten den Markt.


Mein Vater, Heinz Braun (Bild) verlor trotzdem nicht den unternehmerischen Mut und modernisierte die Ölmühle.


Heinz Braun

Heinz Braun

Das alte Stampfwerk wurde herausgerissen und durch einen Walzenstuhl ersetzt. Außerdem erfolgte der Einbau von Schneckenpressen, Asparateuren, Transmissionsantrieb und vielem anderem mehr.


Stampfwerk

Stampfwerk

In den Zeiten des Sozialismus produzierten wir als privater Handwerksbetrieb im Dreischichtrhythmus und stellten neben kaltgepreßtem Speiseleinöl das Rohleinöl für die Lack-, Farben- und Magarineindustrie her.


Nach dem frühzeitigen Tod meiner Eltern übernahm ich 1984 die Ölmühle mit damals 10 Mitabeitern. Jung und unerfahren mußte ich mich dieser schwierigen Herausforderung stellen.


Mit der Wende brach der Leinölmarkt für Farben- und Magarineindustrie zusammen. Wir konzentrierten uns verstärkt auf die alte erzgebirgische Tradition, der Herstellung von kaltgepreßtem Leinöl.


Jedes Jahr wird nun in die Gebäudeerhaltung und in die Verbesserung der lebensmittel- rechtlichen Anforderungen investiert. Dabei bleibt das alte Mühleninventar erhalten, um somit eine gewisse Mühlenromantik der reizvoll am Dorfbach gelegenen Ölmühle zu vermitteln.


Seit 1993 steht die Ölmühle unter Denkmalschutz.


Heute ist die Dörnthaler Ölmühle die älteste noch produzierende Ölmühle in Deutschland und beliebter Anziehungspunkt für Besucher entlang der Mühlentour an der Silberstraße.